Einlagen gehören in Deutschland zu den am häufigsten verordneten orthopädischen Hilfsmitteln. Wenn ich mit meinen PatientInnen in der Praxis über Füße spreche, kommt daher in den meisten Fällen unweigerlich die Frage nach dem Für und Wider von Einlagen auf. Ob und wann Einlagen sinnvoll sind – die Antwort darauf ist, wie so oft, nicht schwarz oder weiß.
Vorweg: Ich bin keine Einlagenspezialistin und keine Orthopädiemechanikerin. Was ich dir hier mitgebe, spiegelt meine Erfahrungen aus der praktischen Arbeit in meiner Praxis wider und ist kein Wissen aus dem Lehrbuch.
Wie verbreitet sind Einlagen überhaupt?
Einlagen sind in Deutschland eines der am häufigsten verordneten Hilfsmittel überhaupt.
Falls du ein „Zahlenmensch“ bist: allein sieben große gesetzliche Krankenkassen – darunter AOK Bayern, BARMER und Techniker Krankenkasse – stellen für ihre rund 34 Millionen Versicherten jährlich etwa 35 Millionen Papier-Verordnungen für orthopädische Hilfsmittel aus. Einlagen zählen dabei zu den häufigsten Positionen, neben Bandagen und Kompressionsstrümpfen. Hochgerechnet auf alle GKV-Versicherten in Deutschland bedeutet das: jährlich werden zig Millionen Hilfsmittel-Rezepte ausgestellt – und ein großer Teil davon landet beim Orthopädiemechaniker für ein Paar Einlagen.
Bei dieser immensen Zahl stellt sich die Frage:
Wann machen Einlagen tatsächlich Sinn?
In der Anamnese stelle ich immer auch die Frage nach Einlagen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele meiner PatientInnen täglich Einlagen tragen – ohne allerdings wirklich zu wissen, warum. Und noch viel wichtiger: von aktivem Fußtraining haben die wenigsten vorher schon mal gehört.
Die häufigste Überzeugung ist eher: „Da kann man ja sonst nichts machen!?“
Wichtig: ich will Einlagen hier nicht per se schlecht reden! Im Gegenteil. Ich möchte dafür sensibilisieren, wann Einlagen sinnvoll sind – und wann evtl. eher hinderlich.
Einlagen sind dann eine sinnvolle Option, wenn bereits strukturelle Veränderungen am Fuß vorliegen, die sich nicht mehr durch Training beheben lassen. Das kann zum Beispiel ein fest gewordener Plattfuß sein, Knochen, die nach einer Verletzung ungünstig zusammengewachsen sind, eine Versteifung, die dauerhaft bestehen bleibt – oder wiederkehrende Bänder- oder Sehnenrisse, bei denen der Fuß schlicht Entlastung braucht.
In solchen Fällen übernimmt die Einlage Aufgaben, die der Fuß eigentlich selbst leisten sollte – aber nicht mehr kann. In diesem Fall sind Einlagen als Hilfsmittel durchaus auch langfristig berechtigt.
Was Einlagen nicht leisten können
Und genau da liegt der wichtige Unterschied: Einlagen verändern Symptome, aber nicht die Ursachen. Sie sind – und das sage ich ganz bewusst – eine Krücke. Das ist nicht abwertend gemeint, aber man darf es nicht vergessen.
Wer wirklich etwas an seinen Fußproblemen verändern möchte, kommt um aktive Arbeit nicht herum: Muskelarbeit, Kräftigung, das bewusste Verändern der Statik.
Genau das ist der Kern eines jeden guten Fußtrainings.
Starre vs. Sensomotorische Einlagen
Meines Wissens gibt es grundsätzlich zwei Varianten von Einlagen – und der Unterschied ist wichtig:
Starre (oder auch „klassische orthopädische“) Einlagen werden häufig und schnell verschrieben. Sie bringen den Fuß passiv in eine bestimmte Position – mehr nicht. Das Problem: Die Fußmuskulatur bekommt kein Signal mehr, selbst zu arbeiten. Im schlimmsten Fall baut sie sich dadurch weiter ab.
Sobald wir die Schuhe mit den Einlagen ausziehen, sind die Probleme wieder da.
Sensomotorische (oder auch „propriozeptive“) Einlagen (ja, die Wörter sind sperrig) funktionieren anders. Sie setzen gezielte Reizpunkte und sollen so die Muskulatur stimulieren – im Prinzip also Trainingseinlagen. Klingt besser, hat aber einen Haken: Weil sie das Fußbett ebenfalls verändern, müssen sie regelmäßig angepasst werden, wenn sich die Muskulatur tatsächlich verändert. Das macht sie aufwändiger – und in der Praxis auch oft schwerer zu bekommen oder mit höherer Zuzahlung verbunden.
Zusätzlich ist in dem Fall das Gehirn nur wenig beteiligt. Im Idealfall wird zwar Muskulatur aufgebaut, aber ohne bewusste Verbindung zum Gehirn fehlt der Aspekt des Verstehens um auch langfristig ohne die Einlagen unterwegs sein zu können. Daher gilt auch hier:
Sobald wir die Einlagen weglassen, ist die Gefahr groß, in alte Muster zu verfallen: die Probleme kommen wieder.
Mein Tipp für den Alltag: Der Rucksack
Wie oben schon gesagt, sind Einlagen nicht per se gut oder schlecht. Wenn wir sie sinnvoll einsetzen, können sie unterstützen und genau im richtigen Moment Entlastung geben.
Was ich meinen Patientinnen und Patienten oft empfehle, wenn Einlagen nötig, aber Bewegung das Ziel ist: Nimm die Einlagen einfach mit – im Rucksack. Lauf zunächst so weit du kannst ohne sie, mit vollem Bewusstsein dafür, wie dein Fuß arbeitet. Und wenn du merkst, dass der Fuß müde wird und du die Kontrolle verlierst, packst du die Einlagen in die Schuhe und lässt dich stützen.
So nutzt du das Hilfsmittel genau dann, wenn es gebraucht wird – nicht als Dauerkrücke, sondern als gezielte Unterstützung in dem Moment, in dem deine Muskulatur noch nicht weit genug ist.
So werden Einlagen zu einem nützlichen Übergangswerkzeug auf dem Weg zu einem stärkeren, funktionsfähigeren Fuß.
Fazit
Einlagen sind weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Es kommt auf deinen Ausgangspunkt an, auf deine Voraussetzungen – und darauf, was du bereit bist, aktiv zu tun.
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Dein Fuß kann mehr, als du vielleicht denkst! Manchmal braucht er nur die richtige Anleitung.
Quellen
https://www.gutesgehen.de/orthopaedische-schuheinlagen–leistungen/sensomotorische-einlagen/index.html (aufgerufen am 25.04.2026)
https://www.forster-orthopaedie.at/einlagen/sensomotorische-einlagen/ (aufgerufen am 25.04.2026)


