4 Tage Hüttenwanderung ab Oberstdorf

Ein persönlicher Bericht und wie ich mich vorbereitet habe.

Wer mich kennt weiß, dass Bergurlaub mein liebster Urlaub ist. Wenn ich nicht einmal im Jahr in den hohen Bergen bin, fehlt wir wirklich was. Daher konnte ich es kaum erwarten, dass es Anfang Juli 2026 endlich wieder so weit war! Zusammen mit meinem Mann und meiner Schwägerin war ich auf einer 4-tägigen Hüttentour durch die Oberstdorfer Bergwelt. 🙂

Kurz und knapp

4 Tage Hüttentour in der Bergwelt rund um Oberstdorf: von der Talstation der Fellhornbahn zur Fiderepasshütte, über die Mindelheimer Hütte und die Rappenseehütte zurück zur Talstation. Highlights waren ein magischer Sonnenaufgang, blühende Bergwiesen und Murmeltierfamilien am Rappensee. Was wir sonst noch so erlebt haben und wie ich mich auf diese Wanderung vorbereitet habe, erfährst du in diesem Artikel.

Tag 1 – Von Oberstdorf hoch zur Fiderepasshütte

Unser Startpunkt war die Talstation der Fellhornbahn. Das Auto durfte hier mit einem Mehrtages-Parkticket auf uns warten. Am Abend zuvor hatten wir beschlossen, spontan zu entscheiden, ob wir die Gondel bis zur Mittelstation nehmen oder direkt zu Fuß loslaufen. Wir waren früh dran und der aufgerufene Preis für eine Einzelfahrt nach oben, ließ uns schnell entscheiden, die 700 Höhenmeter zusätzlich per pedes in Angriff zu nehmen. Das gesparte Geld investierten wir gedanklich sofort in das wohlverdiente Gipfel-Bier und ein Schmankerl aus der Hüttenküche. 😉

Von nun an ging es bergauf – im wahrsten Sinne des Wortes. Durch einen fast verwunschenen Nadelwald, dann entlang der Talabfahrt (im Winter) immer weiter hoch. Einige hundert Meter langweilige Teerstraße brachte uns dann auf ein malerisches Hochplateau, wo wir von Kuhglockenklingeln begrüßt wurden. Über dieses Hochplateau bis zum gegenüberliegenden Hang durfte sich unser Puls kurz etwas erholen. Am Hang angekommen, wanden wir uns über Serpentinen weiter hoch. Es Dicht bewachsen mit jungen Birken, allerlei Büschen und Bergwiesenpflanzen, blühte und summte es um die Wette. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele verschiedene Schmetterlinge gesehen habe!

Oben auf der Kuppe angekommen, konnten wir in der Ferne schon einen ersten Blick auf das Ziel für heute werfen: die Fiderepasshütte. Da es allerdings noch ein gutes Stück zu gehen war, war es der perfekte Zeitpunkt für ein Päuschen. 

Die Bergwelt wurde jetzt immer felsiger, wir hatten die Baumgrenze überschritten und waren damit in meiner liebsten Zone angekommen. Dort, wo es karg wird und man doch in den kleinen Felsspalten immer noch Leben entdeckt, dort fühle ich mich wirklich in den Bergen angekommen. 

Wir mussten weitere Serpentinen hinauf über ein Geröllfeld, noch um eine Kuppe herum und dann standen wir plötzlich vor der Hütte. Hallo! Unser Timing war perfekt, der Himmel hatte sich in der letzten Stunde zunehmend zugezogen und kaum hatten wir das wohlverdiente Bier in der Hand, begann es zu tröpfeln. 

Guten Morgen!

Tag 2 – Von der Fiderepasshütte zur Mindelheimer Hütte

Auf den Berghütten beginnt der Tag früh. Nachdem gestern der Himmel den ganzen Abend zugezogen war, weckte mich gegen 5:00 Uhr das goldene Licht der Morgensonne. Zugegeben, das ist nicht gerade meine normale Aufstehzeit, aber da konnte ich nicht länger liegen bleiben. Ich musste raus! Und was soll ich sagen: Wow! Das hat sich sowas von gelohnt. Der Sonnenaufgang war für mich geradezu magisch. Ich war nicht die Einzige, die schon wach war und das Naturschauspiel in Stille bewunderte. 

Sonnenaufgang auf der Fiderepasshütte

Nach dem Frühstück schulterten wir wieder die Rucksäcke und machten uns an den Aufstieg zur Fiderescharte. Einmal rüber gekraxelt, strahlte uns die Sonne ins Gesicht. Ca. 200m weiter unten machten wir kurz Rast für einen kleinen Snack und – viel wichtiger – die Sonnencreme. 

Nun ging es auf einem wunderschönen Panoramaweg immer entlang der Bergflanke bis zu unserem nächsten Tagesziel, der Mindelheimer Hütte. 

Die Etappe heute war die kürzeste unserer Tour – trotzdem sind wir und unsere Füße froh, als wir gegen Mittag schon ankommen. Wir genießen die Sonne und den Ausblick auf der Terrasse, trocknen unsere durchgeschwitzten T-Shirts und schlendern ein wenig um die Hütte herum. 

Wie angekündigt, können wir ab halb drei den Wolken am Ende des Tals dabei zuschauen, wie sie sich schnell auftürmen. Es wurde immer dunkler, bis wir ein richtiges Gewitterschauspiel geboten bekamen, Blitze und Donner inklusive. Der Regenfront dabei zuzuschauen, wie sie immer näherkommt, war mal wieder sehr faszinierend. Unwetter in den Bergen sind nicht ohne. Sie kommen oft sehr schnell und plötzlich – ohne einen geschützten Platz zum Unterstellen, wird das schnell gefährlich. Wir waren jedenfalls sehr froh, schon in der sicheren Hütte zu sein, als der Regen wie aus Eimern gegen die Fenster peitschte.

Tag 3 – Von der Mindelheimer Hütte zur Rappenseehütte

Der nächste Tag sah nicht besonders rosig aus: sowohl unsere längste Etappe mit den meisten Höhenmetern wartete auf uns als auch eine ziemlich miese Wetterprognose. 

Das Unwetter von gestern hatte sich zwar verzogen, die dicken Regenwolken waren aber geblieben. 

Tja. Wir machten uns bereit: Regenklamotten an, alles möglichst wasserdicht verpacken, Stöcke für die zusätzliche Stabilität einstellen. Und los. Während des Abstiegs in den Talgrund des Rappenalptals ging es noch. Es regnete fleißig, wir waren aber trotzdem noch halbwegs guten Mutes – immerhin sollte der Regen eigentlich im Verlauf des Vormittags nachlassen. 

Der Alpensalamander hat uns heute zahlreich unterstützt.

Es stellte sich heraus: Pustekuchen! Unsere Laune sank mit dem steigenden Wasserpegel in unseren Schuhen. Sowas habe ich auf all meinen bisherigen Wandertouren noch nicht erlebt. Es regnete pausenlos. Nicht nur Nieselregen, nein, so ein richtig schöner, satter Landregen mit dicken Tropfen.

Unser Weg wäre landschaftlich wirklich reizvoll und aussichtsreich gewesen – hätten wir denn zwischen den Wolken und dem Nebel mehr sehen können. Über den Schrofenpass, zahlreiche Bäche und Almwiesen (die leider alle keine Möglichkeit zum trockenen Unterstellen boten), stiefelten wir wie drei durchgefrorene, begossene Pudel auf der anderen Seite des Tals hoch zur Rappenseehütte. 

Wir legten keine Pause ein – mal abgesehen von einer kurzen Stehpause, um ein bisschen die Energiespeicher aufzufüllen – und kamen nach knapp 6h auf der Rappenseehütte an. Wir belohnten und wärmten uns mit Suppe und heißer Schokolade. 

Was für ein Tag!

Tag 4 – Von der Rappenseehütte zurück nach Oberstdorf

Gestern haben wir uns nicht mehr aus der Hütte bewegt – auch wenn der Regen gegen Nachmittag tatsächlich aufgehört hat, waren wir doch immer noch nicht richtig warm. 

Das hieß aber auch, dass wir „am Morgen danach“ unbedingt noch zum Rappensee mussten. Mein Mann und ich kannten ihn schon, wir waren vor einigen Jahren schonmal hier. Ein wunderschöner, malerischer Bergsee, umgeben von hohen Bergen – was will man für die Bergidylle mehr? 

Unglaublicherweise wurden wir wieder von der Sonne geweckt. Ein paar kleine Wölkchen am Himmel, ansonsten strahlendes Blau – und ein Murmeltier, direkt vor unserem Fenster! Der kurze Spaziergang zum See bescherte uns dann sogar noch ganze Murmeltierfamilien, denen wir beim Spielen zuschauen konnten. Sie sind hier oben anscheinend an Menschen gewöhnt. 

Der Rappensee

Wir hätten den Abstieg gerne alle noch herausgezögert – es ist einfach so schön da oben! Aber, der Zeitplan ließ das nicht länger zu. 

Immerhin hatten wir noch einen kleinen Zwischenstopp auf der Enzian Hütte eingeplant: ein zweites Frühstück oder ein frühes Mittagessen, wie man es nimmt. Das Essen ist wirklich sehr, sehr gut dort und wir konnten es mit Panoramablick und Sonne genießen. Der gestrige Tag mit dem miesen Wetter kam uns nun schon surreal vor. 

Immer weiter abwärts ging es dann zurück über die Baumgrenze, zur Petersalpe und hinunter ins Tal. Als hätten wir es geplant (hatten wir nicht!) waren wir genau dann unten an der Bushaltestelle angekommen, als auch schon der Bus kam. Dieser fuhr uns in wenigen Minuten zurück zu unserem Auto. 

Es war eine tolle Tour mit deutlich besserem Wetter als wir erwartet hatten – trotz des gestrigen Regentages. Die Planung für die nächste Tour läuft schon. 😉

Wie ich mich auf diese Wanderung vorbereitet habe.

Auch wenn ich mich im Alltag viel bewege: um aus dem Stehgreif eine mehrtägige Bergtour zu gehen und dabei auch noch Spaß zu haben, dafür reicht es nicht. 

Wenn ich eine Tour plane, dann plane ich auch immer mind. 3 Monate Vorbereitung bzw. Training ein.

Für diese Tour Anfang Juli haben wir im Februar angefangen zu trainieren. Ca. alle zwei Wochen waren wir gemeinsam wandern, mit steigender Anforderung:

  • Jedes Mal etwas mehr Gewicht im Rucksack (Zielgewicht: 12kg in meinem Fall)
  • Jedes Mal etwas mehr Strecke (Ziel: ca. 18-20km)
  • Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter
  • Jede Tour mit den Bergstiefeln
  • Spezifische Kraftübungen für persönliche „Schwachstellen“

Gewichtstraining (Rucksack)

In der Regel schleppe ich NICHT 10-12kg Rucksackgewicht mit mir rum. Um meinen Bewegungsapparat (Muskeln, Gelenke, Sehnen, etc.) daran zu gewöhnen, steigere ich bei den Trainingstouren sukzessive das Rucksackgewicht. Dabei habe ich schon so einiges durch die Wiesen und Wälder rund um Köln getragen: Kissen (als Polstermaterial), Hantelscheiben, Bücher, literweise Wasser, Kochgeschirr… der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt! 

Warum 10-12kg? Ich habe festgestellt, dass ich meistens so bei 11kg rauskomme, wenn ich alle Klamotten, Waschsachen und Proviant inkl. 2-3l Wasser eingepackt habe, die ich für so eine Hüttentour brauche.

Als Faustregel gilt: der voll bepackte Tourenrucksack sollte maximal 20% des eigenen Körpergewichts wiegen. Mit meinen 10-12kg bin ich bei ca. 15%. 

Strecke trainieren

Die längste Etappe – rein von der Strecke – war auf unsere Tour im Juli 11km. Das klingt erstmal nicht viel, aber die Höhenmeter auf diesen 11km müssen eingerechnet werden. Rund um Köln ist es schwierig, die Höhenmeter wie in den Alpen abzubilden. Also trainiere ich ein bisschen „Streckenreserve“ um das zu kompensieren. Ziel war es in diesem Fall, uns bis auf ca. 20km aufzutrainieren (mit vollem Rucksack, versteht sich). Das hat für uns gut funktioniert, unsere Ausdauer ließ uns in den Bergen nicht im Stich. 

Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter

Wie gerade schon beschrieben: rund um Köln haben wir zwar die Eifel, das Siebengebirge und das Bergische Land. Allerdings sind die Berge hier alle nicht vergleichbar mit den Bergen in den Alpen. Wo man in den Alpen ohne Probleme einen ganzen Tag nur bergauf laufen kann, finden wir hier max. Anstiege von ca. 300-400m. Um uns auf die Belastung vorzubereiten haben wir Komoot befragt und explizit Strecken mit möglichst vielen Höhenmetern gesucht. 

Jede Tour mit Bergstiefeln

Auch wenn sich die schweren Bergstiefel im Mittelgebirge wirklich komisch und viel zu klobig und steif anfühlen: es ergibt nur Sinn, die Füße an die feste Sohle zu gewöhnen und die Schuhe vernünftig einzulaufen. Wir sind dadurch fast ohne Blasen über die Tour gekommen. 

Spezifische Kraftübungen für persönliche „Schwachstellen“

Meine persönlichen Schwachstellen bei längeren Belastungen sind immer wieder meine rechte Hüfte und – seit einem Umknicktrauma – mein rechtes Sprunggelenk und das rechte äußere Knie. 

Fußübungen mache ich sowieso quasi täglich, um die überdehnten Bänder am rechten Sprunggelenk muskulär zu unterstützen. 

Falls dich interessiert, was ich so an Fußübungen mache, stöbere hier auf dem Blog oder schau z. B. mal beim LIVE-Training (online) vorbei. Vielleicht ist auch mein Onlinekurs „FußFutter“ etwas für dich?

Hüfte und Knie habe ich gezielt trainiert, um den Anforderungen der Wege in den Bergen bestehen zu können: 

  • Ausfallschritte nach vorne
  • Seitliche Ausfallschritte
  • Squats (Kniebeugen)
  • Liegestütz für die Rumpf-Bein-Anbindung und den Schultergürtel (-> Rucksack)

Diese Übungen habe ich ca. 2-3x/Woche gemacht, jeweils 10-20 Wdh. (pro Seite). 

Das Training hat sich jedenfalls gelohnt: ich konnte die ganze Tour ohne den kleinsten Mucks von Schmerz gehen. 🙂

Wanderst du auch gerne und bereitest dich auf anspruchsvollere Touren gezielt vor? Wie sieht das bei dir aus? 

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