Sprache hat Macht. Sie entscheidet, wie und welche Informationen bei uns ankommen. Sie kann Emotionen wecken und beeinflussen. Spannend ist nicht nur die Sprache, die wir „nach außen hin“ sprechen, sondern besonders auch die Art und Weise, wie wir mit uns selbst sprechen. Wie einzelne Wörter mit unserer Motivation jonglieren und dadurch über unser Stressempfinden entscheiden können, liest du in diesem Artikel.
Kurz und knapp
Schon kleine Wörter entscheiden darüber, ob wir uns unter Druck gesetzt oder selbstbestimmt fühlen. Wer „Ich muss …“ durch „Ich will …“ ersetzt und sich fragt, warum er eine Aufgabe eigentlich erledigen möchte, macht aus äußerem Zwang innere Motivation. Das nimmt Stress raus und hilft, langfristig dranzubleiben.
Zum ersten Mal liefen mir die Wörtchen „muss“ und „will“, konkret gegenübergestellt, während einer Weiterbildung im Bereich Stressmanagement über den Weg. Zuletzt schrieb der Copywriter und NLP-Trainer Youri Keifens in seinem Newsletter darüber. Ein guter Aufhänger, um selbst mal etwas dazu zu schreiben – immerhin begegnet mir diese sprachliche Feinheit beinahe täglich sowohl privat als auch beruflich.
Hilfe, ich „muss“! Wie Druck und Stress entstehen.
Wie häufig sage ich mir im Verlauf einer Woche – oder auch eines Tages – ich „muss“ etwas tun? Wenn ich so darüber nachdenke, kommt „muss“ häufiger vor als mir lieb ist, wenn ich in meinem Köpfchen mit mir selbst spreche.
„Ich muss noch einkaufen.“
„Ich muss noch die Wäsche waschen.“
„Ich muss zum Sport.“
„Ich muss arbeiten.“
„Ich muss noch diesen Blogartikel schreiben.“
Was diese Sätze mit mir machen? Sie setzen mich unter Druck und provozieren damit Stress. Ich fühle mich getrieben, fremdbestimmt und nicht wirklich, als hätte ICH die Kontrolle. Die Motivation entsteht durch äußere Zwänge.
Nun kommt der Zauber:
Ja, ich „will“!
Was passiert, wenn ich das „muss“ durch „will“ ersetze? Einfach nur diese zwei kleinen Wörtchen austausche?
„Ich will noch einkaufen.“
„Ich will noch die Wäsche waschen.“
„Ich will Sport machen.“
„Ich will arbeiten.“
„Ich will noch diesen Blogartikel schreiben.“
Auf einmal fühle ich mich leichter, energiegeladen und motiviert. Ich bin selbstbestimmt.
Dennoch merke ich, da fehlt noch was. Einfach nur die Wörter zu tauschen, macht zwar schon etwas mit meinem inneren Gefühl. Aber, wenn die Aufgabe dann tatsächlich vor mir steht, fühlt es sich doch wieder irgendwie nach einem (vielleicht etwas kleineren) „muss“ an.
Das „Warum“ hinter dem „will“: deine innere Motivation.
| „Ich will noch einkaufen.“ | WEIL ich etwas leckeres essen oder trinken möchte. |
| „Ich will noch die Wäsche waschen.“ | WEIL ich das eine oder andere Teil gern morgen wieder anziehen möchte. |
| „Ich will Sport machen.“ | WEIL ich mich dadurch fitter, stärker und beweglicher fühle. Außerdem bleibt mir so das ein oder andere Zipperlein erspart. |
| „Ich will arbeiten.“ | WEIL mir meine Arbeit Spaß macht und ich mir damit außerdem den nächsten (Wander-) Urlaub verdienen kann. 😉 |
| „Ich will noch diesen Blogartikel schreiben.“ | WEIL ich glaube, dass dir diese Zeilen möglicherweise auch helfen können, beim nächsten „muss“ Stress rauszunehmen, indem du überlegst, welches „will“ drinsteckt. |
Nun kommt die Motivation, die Dinge zu tun, aus mir selbst heraus.
Und soll ich dir etwas verraten?
Diese Form der Motivation – die von innen heraus – ist deutlich langlebiger als die, die von außen durch Druck aufgebaut ist. Die innere Motivation fühlt sich leichter an, weniger anstrengend. Wir bleiben langfristig eher dabei, weil uns die Erfüllung der Aufgabe auch etwas zurückgibt.
Wie sieht deine „Ich muss“-Liste aus? Und muss sie das wirklich?

PS.: Das Titelbild habe ich gewählt, weil es für mich ein ganz besonderes Bild, passend zum Thema, ist. Es erinnert mich immer wieder daran, was ich schaffen kann, wenn ich etwas wirklich will. Entstanden ist es bei meiner Alpenüberquerung 2019 am Ötzi-Denkmal. Damals wollte ich diese Wanderung unbedingt machen – so sehr, dass ich sie sogar ganz alleine angegangen bin. Zu dem Zeitpunkt war niemand in meinem Leben, der da genauso viel Bock drauf hatte – zum Glück hat sich das inzwischen geändert. 🙂
Ich habe alleine geplant, trainiert und mir die Ausrüstung zusammengespart. Und was soll ich sagen? Es hat sich sowas von gelohnt!


