Ein konkretes Beispiel, wie die gezielte Arbeit an der Fußmechanik die gesamte Körperhaltung in der Bewegung transformiert.
Manchmal kann man bestimmte Ideen und Ansätze anpreisen so viel man will – was wirklich zählt, sind Ergebnisse von echten Menschen und ihre Entwicklung über die Zeit.
Vor einiger Zeit wandte sich ein Freund mit einem konkreten Anliegen an mich: er trainierte aktuell wieder für einen Triathlon, hatte bereits die ersten Trainingswettkämpfe hinter sich. Beim Laufen fühlte er sich aber trotz des Trainings instabil und komme nicht so richtig weiter. Sein Körper mache nicht ganz so mit, wie er das gerne hätte.
Sein Wunsch: sich vor allem beim Laufen stabiler zu fühlen und potenzielle Fehlbelastungen der Gelenke direkt vermeiden, bevor Schmerzen und Schäden überhaupt erst entstehen.
Etwa zwei Jahre zuvor hatten wir schon einmal eine gemeinsame Fußtrainings-Session gemacht. In der Zwischenzeit hat er konsequent an seinem Fußgewölbe gearbeitet – mit bemerkenswertem Erfolg: ein damals noch ausgeprägter Senkfuß ist inzwischen Geschichte.
Jetzt war es Zeit für den nächsten Schritt.
Was wir analysiert haben
Um wirklich vergleichen zu können, haben wir seine Laufbewegung auf Video aufgenommen.
Mit seiner Genehmigung darf ich dir Ausschnitte daraus zeigen. vielen Dank dafür!
Was sich zeigte, erlebe ich in der Praxis häufig: im Stand sah alles gut aus – in der Bewegung und besonders der einbeinigen Standphase wurde allerdings eine deutliche Instabilität sichtbar.
Ausgangspunkt für eine ausgeprägte Kettenreaktion war ein Knickfuß unter Belastung – also ein Fuß, der im Stand noch stabil wirkt, unter Last aber nach innen wegkippt. Das klingt zunächst nach einem lokalen Problem. Ist es aber nicht.
Was diese einzige Abweichung im Fuß am gesamten Körper auslösen kann:

- Die Ferse kippt nach innen – der Fuß verliert seine stabile Achse
- Der Unterschenkel dreht nach innen – er folgt der Fersenbewegung
- Das Kniegelenk gerät aus der Achse – eine X-Bein-Stellung entsteht
- Das Becken kippt auf der Gegenseite ab – Ausgleichsbewegung der Hüfte in eine Adduktion und Innenrotation
- Der Oberkörper neigt sich zur Standbein-Seite – um die Balance zu halten
Dieser ganze Prozess raubt dem Körper viel Stabilität und vor allem: Vortriebskraft. Denn die Kräfte werden nicht zielgerichtet nach vorne-oben geleitet (wo wir beim Joggen eigentlich hin wollen), sondern verpuffen zu einem großen Teil in den seitlichen Ausgleichbewegungen.
Dieses Muster ist keine Ausnahme, sondern ein klassischer Kompensationsmechanismus. Der Körper versucht immer, irgendwie die Balance zu halten. Was aussieht wie eine Haltungsschwäche im Oberkörper, beginnt damit häufig viel weiter unten.
Was wir trainiert haben
Der Schlüssel war hier nicht, einzelne Muskeln zu stärken – sondern das Zusammenspiel in der Bewegung zu schulen. Konkret haben wir an drei Dingen gearbeitet:
1. Die Ferse unter Last aufrichten und halten. Das klingt simpel. Im Praxistest stelle ich mit meinen PatientInnen immer wieder fest, dass es das nicht ist. Die Ferse stabil zu halten, während sich der Rest des Körpers im Bewegungsfluss befindet, erfordert ein ganz anderes Körperbewusstsein (und die entsprechende -kontrolle) als statische Übungen.
„Da muss ich jetzt also erstmal wieder Gehen lernen.“
Diesen Satz konnte sich mein Kumpel dabei nicht verkneifen – aber er sagte es mit einem Lachen.
2. Kräftiger Abstoß über die Großzehe. Die Großzehe ist die eigentliche Kraftzentrale beim Laufen. Wer sie nicht aktiv einsetzt, verliert Vortrieb und Stabilität gleichzeitig.
3. Zusammenspiel von Knie und Sprunggelenk. Beide Gelenke müssen während der (Lauf-) Bewegung aufeinander abgestimmt reagieren – zu häufig übernimmt eines die Arbeit des anderen.
Das Ergebnis
Vorher
- Ferse kippt deutlich nach innen
- Beinachse nach innen abgewinkelt
- Becken und Oberkörper kompensieren
- Gefühl von Instabilität

Nachher
- Ferse bleibt stabil unter Last
- Beinachse deutlich aufrechter
- Becken und Oberkörper gerade
- Kraft und Stabilität spürbar

Zum Abschluss der Session konnten wir sogar ein paar Sprints gegeneinander austragen! Mein Kumpel sagte, er fühle sich subjektiv deutlich stabiler und vor allem beim Sprinten stark und energiegeladen – für ihn in dieser Form ein völlig neues Gefühl.
Ich muss zugeben: bei dieser Beschreibung musste ich grinsen wie ein Honigkuchenpferd! Solche Erfolge (mit)feiern zu können, macht mich wirklich glücklich. 🙂
Zwei Wochen später: Die Kraft in den Füßen hat weiter zugenommen. Die Positionierung der Füße ist für ihn greifbar und umsetzbar geworden. Damit steht dem nächsten Triathlon nichts mehr im Wege!
Auf dieser Basis können sie Muskeln nun Kraft und Ausdauer entwickeln, um die verbesserte Dynamik auch über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Hier kämen dann auch die größeren Muskelgruppen des Beins und des Rumpfes vermehrt ins Spiel um den Fuß „nicht alles alleine machen zu lassen“.
Was dieses Beispiel aber eindrücklich zeigt: Stabilitätsprobleme beim Laufen sind selten isoliert. Sie beginnen häufig im Fuß – und breiten sich als Kompensationsmuster durch den gesamten Körper aus. Wer das an der Wurzel angeht, verändert mehr als nur den Fuß.
Du bist neugierig geworden, weißt aber nicht, wo und wie du anfangen sollst? Schreibe mir gerne eine Mail und/oder schau dir meinen Onlinekurs FußFutter an – dort lernst du deinen Fuß von hinten nach vorne kennen – inklusive der optimalen Anbindung an den Rest des Beins.


