Wenn das Fersenbein (lat. Calcaneus) auf ebenem Untergrund nicht annähernd senkrecht bzw. gerade auf dem Boden steht, spricht man von einem sogenannten „Knickfuß“. Diese Fehlhaltung kann sich schon im Stand zeigen, häufig wird sie aber auch erst in der Bewegung sichtbar. Die Fehlhaltung des Fersenbeins im Sinne eines Knickfußes kann eine Reihe anderer Fehlhaltungen des Fußes bedingen, weshalb es sich lohnt, den Stand der Ferse zu betrachten.
Kurz und knapp
Beim Knickfuß steht die Ferse nicht gerade, sondern knickt nach innen („Valgus“, häufiger) oder außen („Varus“, seltener) ab – mit Folgen für den gesamten Körper, da die Stoßdämpfungsfähigkeit des Fußes leidet und einwirkende Kräfte an Knie, Hüfte und Wirbelsäule weitergegeben werden. Einlagen lindern die Symptome, ändern aber nichts an der Ursache. Wer die Fersenstellung aktiv schulen und durch gezieltes Training korrigieren möchte, investiert in etwas, das lebenslang hält – und sogar barfuß funktioniert.
Ursachen eines Knickfußes
Ein Knickfuß ist i.d.R. das Ergebnis mehrerer Faktoren, die sich über die Zeit summieren:
- Muskuläre Schwäche: Die Fuß- und insbesondere die Unterschenkelmuskulatur positioniert das Fersenbein und richtet das Längsgewölbe auf. Ist sie zu schwach, verliert die Ferse ihre Führung und kippt.
- Bandlaxität: Eine angeborene oder erworbene Schwäche der Bänder (genetisch oder z. B. durch vermehrtes Umknicken) im unteren Sprunggelenk begünstigt das Abkippen der Ferse.
- Ungeeignetes Schuhwerk: Schuhe mit zu wenig oder zu viel Stütze an den richtigen Stellen oder auch übermäßige Dämpfung fördern, dass die Fußmuskulatur verlernt, den Fuß selbst (richtig) zu stabilisieren.
- Übergewicht: ein höheres Körpergewicht erhöht die Last auf das Längsgewölbe und fördert dessen Absenkung. Außerdem verändert das Körpergewicht die Körperproportionen und damit auch die Gelenkstellung v.a. des Beins, was sich im Fuß bemerkbar machen kann.
- X- oder O-Beinstellung: Fehlstellungen in Hüfte und/oder Knie können sich auf die Fersenposition auswirken – und umgekehrt.
Der Knickfuß ist in den meisten Fällen kein Schicksal, sondern eher das Resultat von Gewohnheiten und erlernten Bewegungsmustern – das Gute daran: Hier können wir aktiv etwas verändern.
Knickfuß bei Kindern – ist er normal und ab wann sollte man etwas tun?
In den ersten Lebensjahren ist ein Knickfuß keine Seltenheit, sondern oft Teil der normalen motorischen Entwicklung. Wenn Kinder laufen lernen, ist die Fußmuskulatur noch nicht vollständig ausgereift, die Ferse kippt dadurch häufig leicht nach innen. Man spricht hier von einem physiologischen Knick-Senkfuß.
In der Regel richtet sich die Ferse bis zum Schulalter (ca. 6. Lebensjahr) von selbst auf. Solange das Kind keine Schmerzen hat und sich der Fuß im Entwicklungsverlauf weiter aufrichtet, besteht meist kein Handlungsbedarf. Barfuß laufen und viel Bewegung auf unterschiedlichen Untergründen reichen oft völlig aus.
Anders sieht es aus, wenn:
- die Fehlstellung auch nach dem 6. Lebensjahr bestehen bleibt oder sich verstärkt,
- das Kind über Schmerzen beim Laufen klagt,
- die Fehlstellung nur auf einer Seite auftritt.
In diesen Fällen lohnt sich eine fachliche Abklärung, anstatt einfach abzuwarten.
Varianten des Knickfußes
Ein Knickfuß kann sich in unterschiedlichen Varianten und Ausprägungen entwickeln.
Im Kindesalter ist ein Knickfuß meist noch unproblematisch, z. T. im Entwicklungsverlauf sogar normal. Allerdings sollte sich die Ferse bis ca. zum 6. Lebensjahr aufgerichtet haben.
Wir können den Knickfuß unterscheiden in:
- Valgus: Die Ferse knickt nach innen, die Achillessehne verläuft in einem Bogen mit Wölbung nach innen (X-Stellung)
- Varus: Die Ferse knickt nach außen, die Achillessehne verläuft in einem Bogen mit Wölbung nach außen (O-Stellung)

Die Ferse kippt nach innen: Der Valgus-Knickfuß
Der Knickfuß, bei dem die Ferse nach innen kippt, ist der deutlich häufigere. Das ist vermutlich auch der Grund, warum in der Literatur überwiegend nur diese Ausprägung als Knickfuß beschrieben wird.
Oftmals sind die Schuhsohlen unter der Ferse innen mehr abgelaufen als außen. Um das beurteilen zu können, nimm am besten Schuhe, die du auch wirklich regelmäßig trägst. 😉
Der Rest des Fußes reagiert auf die gekippte Position der Ferse. Weiterlaufende Bewegungen führen zu Fehlhaltungen und Fehlbelastungen angrenzender Gelenke. Sowohl im Fuß, als auch im Knie kann das Abkippen der Ferse nach innen zu einem sogenannten „medialen Kollaps“ („Einbrechen“ nach innen) führen:
- Im Fuß resultiert dadurch eine Abflachung des Längsgewölbes (zum Thema Fußgewölbe kannst du HIER weiterlesen), häufig mit Entwicklung eines Senk- oder Plattfußes.
- Im Knie entwickelt sich nicht selten ein (funktionelles) X-Bein (Valgusstellung des Knies)
Das Problem dabei ist, dass der Fuß einen Teil seiner Stoßdämpfungsfähigkeit einbüßt. Damit werden die Aufprallkräfte, die z. B. beim Gehen auf den Körper einwirken, nicht wie vorgesehen, schon im Fuß zu einem großen Teil abgefangen, sondern werden überwiegend an angrenzende Gelenke weitergegeben: Zehen, Oberes Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Wirbelsäule, etc.
Wie es aussieht, wenn das in der Bewegung passiert, kannst du in diesem Fallbeispiel sehen: Vom Knickfuß zum Triathlon – Was funktionelles Fußtraining verändern kann.
Die Ferse knickt nach außen: Der Varus-Knickfuß
Ein Varus-Knickfuß kommt seltener vor, kann aber zu einem sog. Hohlfuß führen.
Der Hohlfuß ist, wie auch der Senk- bzw. Plattfuß, nur noch eingeschränkt in der Lage seiner Aufgabe der Stoßdämpfung nachzukommen – der Fuß ist schlichtweg in sich zu fest, um adäquat federn zu können.
Also wird auch hier ein Großteil der einwirkenden Kräfte an angrenzende Gelenke weitergegeben.
Übungen gegen den Knickfuß
Bevor du zu Einlagen greifst, gehe die Ursache doch lieber direkt an: Trainiere mit gezielten Übungen die zu schwache oder wenig kontrollierte Fußmuskulatur und lerne deine Ferse aktiv aufzurichten. Je sicherer du wirst, desto besser kannst du diese Fähigkeit in deinen Alltag einbauen. Hier habe ich eine einfache Einstiegsübung für dich:
Wahrnehmung und Kontrolle der Fersenstellung
Am Anfang steht immer die Wahrnehmung. Du kannst diese Übung jederzeit im Sitzen oder im Stehen machen.
- Nimm wahr, wie deine Ferse auf dem Boden steht. Wie ist der Druck verteilt? Mehr auf der äußeren Ferse, der inneren oder mittig?
- Kippe deine Ferse nach außen und innen und spüre, wie sich der Druck verändert. Solltest du Sitzen und wenig spüren, stell dich hin, für mehr Gewicht auf den Fersen.
- Nun suche die Mitte und halte die Ferse dort. Ist das leicht oder schwierig, entspannt oder anstrengend?
Wenn du dir unsicher bist, ob deine Ferse wirklich aufrecht steht: mach ein Foto von hinten oder stell dich vor einen großen Spiegel und schau dir deine Rückansicht durch einen zweiten oder deine Handy-Frontkamera an. Gleiche das, was du siehst, mit deinem eigenen Körpergefühl ab.
Diese Übung ist ein guter erster Schritt, um ein Gefühl für die Position deiner Ferse zu entwickeln. Sie ist die Basis für das weitere Fußtraining. Wenn du möchtest, lass und doch gemeinsam trainieren:
In meinem Online-Präventionskurs FokusFuß lernst du in 8 Einheiten deinen Fuß von vorne bis hinten kennen – nicht nur theoretisch sondern vor allem auch praktisch und alltagsnah. Der große Vorteil: Deine (gesetzliche) Krankenkasse erstattet dir einen Großteil der Kurskosten.
Wenn du lieber für dich selbst lernst, ist mein Onlinekurs FußFutter evtl. etwas für dich. Hier führe ich dich in kurzen Videolektionen ebenfalls durch den gesamten Fuß und zeige dir geeignete Übungen, direkt zum mitmachen.
Wann sollte man mit einem Knickfuß zum Arzt oder zur Physiotherapie?
Ein Knickfuß ist in den meisten Fällen kein akuter Notfall. Es gibt aber Situationen, in denen du dir professionelle Hilfe zur Ursachenforschung holen solltest:
- Anhaltende Schmerzen im Fuß, Knie, Hüfte oder Rücken.
- Eine deutlich einseitige oder plötzlich auftretende Fehlstellung.
- Keine Besserung trotz regelmäßigem Training.
- Bei Kindern: keine Aufrichtung der Ferse über das Schulalter hinaus.
Häufige Fragen zum Knickfuß (FAQ)
Ist ein Knickfuß gefährlich? Ein Knickfuß selbst ist meist nicht gefährlich, kann aber auf Dauer die Stoßdämpfung des Fußes beeinträchtigen und durch weiterlaufende Bewegungen Beschwerden in Knie, Hüfte oder Wirbelsäule begünstigen.
Kann man einen Knickfuß selbst korrigieren? Ja, der Knickfuß ist in vielen Fällen durch aktives Training sehr gut korrigierbar.
Braucht mein Kind Einlagen bei einem Knickfuß? Bei Kleinkindern ist ein Knickfuß häufig eine normale Entwicklungsphase und benötigt keine Einlagen. Bleibt die Fehlstellung über das Schulalter hinaus bestehen oder verursacht sie Schmerzen, können Einlagen zusammen mit aktivem Training sinnvoll sein.
Was ist der Unterschied zwischen Valgus- und Varus-Knickfuß? Beim Valgus-Knickfuß kippt die Ferse nach innen (X-Stellung) und kann einen Senkfuß begünstigen. Diese Form kommt häufiger vor. Beim Varus-Knickfuß kippt die Ferse nach außen (O-Stellung) und kann zu einem Hohlfuß führen.
Helfen Einlagen langfristig gegen einen Knickfuß? Einlagen können Symptome lindern, verändern aber nichts an der eigentlichen Ursache. Wer die Fersenstellung dagegen aktiv trainiert, baut eine Stabilität auf, die dauerhaft und auch barfuß hält.



3 Gedanken zu „Knickfuß: Ursachen, Symptome & was du dagegen tun kannst“
Liebe Carlotta,
ich mag deine sehr verständlichen Erklärungen sehr! Deine Artikel bringen mir meine Füße sehr nahe, danke dafür 👍
Gruß Gabi
Das freut mich zu lesen! 🙂
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