Wir Menschen sind Faultiere. Ohne einen gewissen (Leidens-)Druck machen wir es uns häufig lieber bequem, statt zum anstrengenden Training oder zur Physiotherapie zu gehen. Ich nehme mich da selbst nicht aus – auch ich bin nur ein Mensch. 😉
Der Unterschied ist am ehesten, dass ich durch mein Studium, viel Selbstbeobachtung, aber auch durch die Arbeit mit zahlreichen PatientInnen während meines bisherigen Berufslebens inzwischen sowas wie ein „Frühwarnsystem“ installiert habe. So weiß ich, wann ich etwas tun muss, bevor sich ernsthafte Probleme und Schmerzen einschleichen können.
Die meisten Menschen kommen dagegen erst zur Physiotherapie, wenn der Schmerz bereits da ist: der Rücken streikt, das Knie schmerzt beim Treppensteigen, der Fuß knickt zum dritten Mal in diesem Jahr um. Die „Reparatur“ ist oftmals nerven- und zeitintensiv: Termine machen, Übungen lernen, Geduld aufbringen. Und das alles, während der Alltag durch die Schmerzen längst eingeschränkt ist.
Was, wenn wir dieses Stadium gar nicht erst erreichen würden?
Kurz und knapp
Prävention und Rehabilitation wollen im Grunde dasselbe – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Während Reha oft mit Zeit, Geld, Nerven und möglichen Langzeitfolgen verbunden ist, kannst du mit Prävention schon aktiv werden, bevor überhaupt etwas passiert. Denn keine Beschwerden zu haben, heißt nicht automatisch, dass dein Körper langfristig belastbar bleibt – Fehlbelastungen entwickeln sich oft über Monate, bevor sie spürbar werden. Besonders der Fuß wird dabei häufig vernachlässigt, obwohl er täglich enorme Belastungen abfedert. Wer frühzeitig handelt, spart sich am Ende Schmerzen, Zeit und unnötige Rückschläge.
Reha und Prävention wollen dasselbe – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten
Am Ende geht es bei beidem um das Gleiche: schmerzfrei bewegen können, ohne Einschränkungen durch den Alltag kommen. Der einzige echte Unterschied ist der Zeitpunkt, an dem du aktiv wirst.
Rehabilitation setzt an, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Sie ist reaktiv, oft anstrengend und schmerzhaft, zeit- und geduldsintensiv. Wir arbeiten gegen Bewegungsangst, alte Bewegungsmuster und (neue) Schonhaltungen. Außerdem ist Reha auch immer mit Unsicherheit verbunden – niemand weiß zu Beginn genau, wie lange der Heilungsprozess dauern wird oder ob die volle Funktion wiederhergestellt werden kann.
Prävention dagegen setzt an, bevor überhaupt etwas passiert. Sie ist proaktiv, meist deutlich günstiger, planbar und – das wird oft unterschätzt – sie kann sogar Spaß machen. 😉 Du arbeitest mit deinem Körper, wenn er fit und stark ist, statt immer wieder frustriert zu sein, dass die Heilung länger dauert, als du dachtest.
Bei der Prävention unterscheiden wir noch zwischen der Primär- und der Sekundärprävention.
- Primärprävention: du bist fit und gesund, es ist noch kein Schaden vorhanden. Super! Der perfekte Zeitpunkt sich darum zu kümmern, dass das auch so bleibt.
- Sekundärprävention: Du hattest schon eine Verletzung, die Reha war erfolgreich. Nun möchtest du dafür sorgen, dass so etwas nicht nochmal passiert.
Der unterschätzte Preis der Rehabilitation
Wenn ich mit Patienten über ihre Verletzung spreche, wird schnell klar: Die Kosten liegen nicht nur beim Schmerz selbst, es gibt auch versteckte Kosten:
- Zeit, die du nicht mit Sport, Hobbys oder einfach schmerzfreiem Alltag verbringen kannst.
- Geld für teure Hilfsmittel und Diagnostiken, Arzt- und Physiotherapietermine, manchmal längere Ausfälle bei der Arbeit.
- Nerven, wenn der Fortschritt einfach nicht so schnell geht, wie du es dir wünschst.
- Langzeitfolgen, weil sich ggf. Kompensationsmuster festsetzen, die dir Jahre später Probleme machen können.
Ohne jetzt jemandem einen Vorwurf machen zu wollen – denn ohne zu wissen, was man ändern könnte/müsste, kann man auch keine Änderung herbeiführen – muss ich dir sagen: Ein großer Teil der Menschen, die ich in meiner Praxis in Köln kennenlerne, hätten einen guten Teil ihrer Probleme gar nicht haben müssen. Die nötigen (biomechanischen) Grundkenntnisse und ein bisschen Übung – stabilere Muskeln, bessere Körperwahrnehmung, korrigierte Bewegungsmuster – hätten viele der Probleme gar nicht erst entstehen lassen.
Um ein typisches Argument („Aber ich mache doch Sport und bewege mich!“) vorwegzunehmen: auch Menschen, die sich viel bewegen und regelmäßig Sport machen, sind nicht automatisch vor ungünstigen Bewegungsmustern geschützt. Allerdings haben sie meistens eine geschultere Körperwahrnehmung und sind es gewohnt, ihren Körper zu nutzen: beste Voraussetzungen um neue, nützlichere Bewegungsmuster zu lernen.
„Mir geht’s doch gut“ ist leider kein Argument
Der klassische Einwand, den ich höre: „Ich hab doch aktuell gar keine Beschwerden, wieso sollte ich da vorbeugen?“ Genau das ist der Denkfehler, den fast jeder macht. Keine Beschwerden heute heißt nicht, dass dein Körper morgen noch genauso belastbar ist.
Prävention ist keine Zeitverschwendung, sondern eine Investition.
Gerade Körperregionen, die täglich enormen Belastungen ausgesetzt sind – wie zum Beispiel unsere Füße, die bei jedem einzelnen Schritt unser komplettes Gewicht abfedern – melden sich oft erst sehr spät. Wenn der Schmerz kommt, war die Fehlbelastung meistens schon Monate oder Jahre vorher im Gange.
Das sehe ich in der Physiotherapie immer wieder als Muster: Ein instabiler Fuß verändert die Bewegung im Knie, das Knie belastet die Hüfte anders, und am Ende landet alles im unteren Rücken. Eine ganze Kette, die meistens an ihrem schwächsten Glied beginnt. Und genau dort sollten wir ansetzen – lange bevor irgendwas ernsthaft zum Problem wird.
Warum der Fuß so ein gutes Beispiel dafür ist
Kaum eine Körperregion wird so sträflich vernachlässigt wie unser Fuß. Er trägt uns durchs komplette Leben, fängt jeden Stoß ab, hält uns im Gleichgewicht – und trotzdem denkt kaum jemand daran, ihn gezielt zu trainieren. Die Folgen: (Fuß-) Fehlstellungen, Instabilitäten und Schmerzen, die sich oft erst bemerkbar machen, wenn sie schon chronisch geworden sind.
Genau hier liegt die größte Chance der Prävention. Mit den richtigen Übungen lässt sich die Fußmuskulatur stärken, die Stabilität verbessern und Fehlbelastungen frühzeitig abfangen – lange bevor eine Reha überhaupt notwendig wird.
Mein Fazit: Fang an, bevor es wehtut
Klar, Prävention kann nicht jede Verletzung verhindern – Unfälle passieren und man kann auch nicht alles auf einmal beachten, was „richtig“ wäre. Aber sie verschiebt die Chancen, gesund zu bleiben, deutlich zu unseren Gunsten: weniger Ausfallzeit (privat und beruflich), weniger Schmerzen, mehr Kontrolle über deinen eigenen Körper.
Als Physiotherapeutin verstehe ich meine Aufgabe schon immer (und immer mehr ) darin, dir nicht nur dabei zu helfen, dich nach einer Verletzung wieder zu erholen, sondern vor allem auch darin, dass du deinen Körper besser verstehst und Warnsignale frühzeitig erkennst. Damit es hoffentlich in Zukunft gar nicht erst zu einer ernsthafteren Verletzung kommt.
Das ist meiner Meinung nach nicht nur der schmerzfreiere, sondern auch der klügere Weg – oder wie siehst du das?
Fang jetzt bei deinen Füßen an – bevor sie dich ausbremsen.
Genau deshalb habe ich meinen neuen Präventionskurs FokusFuß entwickelt. Er ist für alle, die ihre Fußgesundheit selbst in die Hand nehmen wollen – bevor Schmerzen, Instabilität oder Fehlstellungen ihren Alltag bestimmen.
In FokusFuß zeige ich dir gezielte Übungen, mit denen du deine Fußmuskulatur stärkst, deine Stabilität verbesserst und Beschwerden vorbeugst, statt sie später mühsam behandeln zu müssen.
Deine Füße tragen dich ein Leben lang – gib ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. 🙂






